Der Prozess der Industrialisierung

von Herman R. am 12/09/11 um 8:42 am

Der Prozess der Industrialisierung ist eine der bedeutendsten ökonomischen Umwälzungen in Geschichte und Gegenwart. Während bei Industriestaaten wie Deutschland oder Japan diese Entwicklung längst abgeschlossen ist, befinden sich Schwellenländer wie China oder Indien zurzeit in dieser Phase.

Vom Agrarstaat zum Industriestaat

Die Industrialisierung ist als eine wirtschaftliche Weiterentwicklung zu betrachten. Zuvor ist die ökonomische Struktur dadurch gekennzeichnet, dass der Agrarsektor die größte Bedeutung hat. Zudem bildet das Handwerk einen wichtigen Bereich. Ein Zwischenschritt hin zum Industriestaat stellt dann die zunehmende Verbreitung von Manufakturen dar. Der Quantensprung bei diesen besteht in der Unternehmensform. Ein gutes Beispiel dafür sind historisch Manufakturen, in denen Stoffe produziert worden sind: Diese wurden lange Zeit in Heimarbeit hergestellt, insbesondere als Nebenerwerb für Landwirte. Die Manufaktur zentralisierte diese Tätigkeit. Ein Unternehmer investierte Geld in ein entsprechendes Gebäude und in die dazu benötigten Maschinen. Die dort Beschäftigten erhielten von ihm Lohn und mussten zu festen Arbeitszeiten erscheinen. Das sind schon wesentliche Kennzeichen der Industrialisierung. Dieser Prozess geht aber noch darüber hinaus: In Industriebetrieben sind der Maschineneinsatz und damit auch die Höhe der Investitionen deutlich größer. Außerdem stieg die Anzahl der Beschäftigten, zusätzlich gab es innerhalb einer Fabrikhalle eine zunehmende Arbeitsteilung. Arbeiter zeichneten sich also nicht für die Schaffung eines Produktes von Beginn bis Fertigstellung verantwortlich, sondern übernahmen in diesem Prozess auch einen Arbeitsauftrag.

Historischer Verlauf in Europa

Als Kernland der Industrialisierung muss England bezeichnet werden. Dort setzte sich das Prinzip am Schnellsten durch. Etwas länger dauerte es im deutschen Kaiserreich, hier wuchs der industrielle Sektor schnell. Ähnlichkeiten sind in der Entwicklung festzustellen. Zu nennen ist vor allem die große Bedeutung der Eisenbahn, die der Industrialisierung einen großen Schub verlieh. Mit ihr konnten zum Beispiel Rohstoffe schnell an Fabriken geliefert werden, auch zum Transport der fertigen Produkte war sie unabdingbar. Zweitens ist aber auch die Nachfrageseite zu betrachten. Zum Bau von Eisenbahnen und Gleisen wurden große Mengen an Stahl gebraucht, was diesem Industriezweig stark wachsende Umsätze bescherte. Solche Zusammenhänge sind auch auf anderen Feldern zu beobachten. So mussten die Maschinen, die in den Fabriken zum Einsatz kommen, produziert werden. Dadurch entstand die Maschinenbauindustrie, in der Deutschland bis heute führend ist. Weitere wichtige Bereiche waren die chemische Industrie und die Elektroindustrie.

Auswirkungen auf Gesellschaft und Politik

Der wirtschaftliche Bereich ist vom sozialen und politischen Bereich nicht zu trennen. Beides steht in vielfältigen Wechselbeziehungen. Eine solche Umwälzung wie die Industrialisierung musste aus diesem Grund auch gesellschaftliche Änderungen zur Folge haben. Mit der Arbeiterschaft entstand ein neues, schnell anwachsendes Milieu. Da Großbetriebe in der Regel in Städten angesiedelt waren, kam es zu einer Urbanisierung. Millionen von Menschen zogen aus ländlichen Räumen in die entstehenden Metropolen. Die Industrialisierung brachte erhebliche soziale Konflikte. Zum ersten Mal in der Geschichte wurden in dieser Intensität über Fragen wie Entlohnung, Arbeitszeiten, soziale Absicherung und Wohnverhältnisse diskutiert. In allen betroffenen Staaten organisierten sich große Teile der Arbeiterschaft in Gewerkschaften und sozialdemokratischen Parteien. Damit habe es eine bisher nicht existierende politische Strömung gegeben, die schnell an Anhängerschaft gewann und seitdem in der Politik eine gewichtige Rolle spielt.

Foto: johas – Fotolia

Ähnliche Beiträge:

Leave a Reply